Abfall

Branchenkonferenz Abfallsammelfahrzeuge

Branchenkonferenz Abfallsammelfahrzeuge

Bild_Branchenkonferenz Abfallsammlung_23.06.2016 ver.di FB 2 Bild_Branchenkonferenz Abfallsammlung_23.06.2016

Rückwärtsfahren aus Sicht eines Fahrers

„Wie fühlt sich der Fahrer eines Abfallwagens, wenn es auf allen technischen Geräten piepst und blinkt? Welche schwerwiegenden Entscheidungen muss er treffen, beim Rückwärtsfahren oder Sich Durchzwängen durch enge Gassen, welche Risiken trägt er und wie wirken sich die Belastungen auf seine Gesundheit und sein Wohlbefinden aus?“ Diese Fragesellungen, so Katrin Büttner-Hoppe, Leiterin  ver.di-Bundesfachgruppe Abfallwirtschaft, sollten im Mittelpunkt der Branchenkonferenz zum Rückwärtsfahren bei der Abfallsammlung stehen, die am 23.06.2016 in Hamburg stattfand.

Auf der von der BG Verkehr einberufenen Konferenz beschäftigte sich eine Vielzahl von interessanten Vorträgen mit den rechtlichen Grundlagen des Rückwärtsfahrens, den technischen wie organisatorischen Lösungen zur Minimierung der Rückfahrstrecken und zur Minimierung der Unfallträchtigkeit des Rückwärtsfahrens, weiter zur Vorstellung verschiedener technischer Lösungen als Einsatz für Fahrer-Assistenzsysteme… doch unbestritten lieferte der Praxisbericht des Kollegen  Thomas Walter von der USB aus Bochum den notwendigen lebendigen Hintergrund für die technischen Diskussionen. Also: „Rückwärtsfahrten aus Sicht eines Fahrers“.

Ganz praktische Fragen muss, so Walter, ein Fahrer tagtäglich bewältigen, und ist trotz aller technischer Hilfen oftmals auf sich und sein Können allein gestellt: Was kann und darf ich tun, wenn der Wendehammer in einer Privatstraße zugeparkt ist, wenn ich kreuz und quer manövrieren muss,  um überhaupt an die Tonnen ranzukommen? Und wer haftet für die Entscheidungen, die ich  in schwierigen Situationen treffen muss?  Und entlastet mich die Rechtsprechung, wenn  Assistenzsysteme unmittelbar in das Fahrzeug eingreifen und Schäden verursachen?

Und last but not least: Wer schützt mich als Fahrer vor den körperlichen und psychischen Dauerbelastungen?

„Die Debatte um die Branchenregel Abfallsammlung geht weiter,“ betonte Katrin Büttner-Hoppe, „ und für uns  stehen Belastungssituation und Rechtssicherheit für den einzelnen Arbeitnehmer weiter an erster Stelle.“

Grundsätzlich befürwortet die Gewerkschaft ver.di eine Neustrukturierung der Branchenregel. Vor allem mit Blick auf die Gefahren des Rückwärtsfahrens und der daraus entstehenden Belastung der Fahrer ist dies unerlässlich. Klar formulierte ver.di-Anforderungen an die Unternehmen in der Abfallbranche sind, für  ein besonderes Training zum Rückwärtsfahren zu sorgen, und jederzeit einen Blick auf die Belastungen, die auf den Fahrer einwirken, zu haben. Grundanforderung aber ist und bleibt eine Besetzung von zwei Mitarbeitern pro Müllfahrzeug, damit jederzeit eine Einweisung durch einen geschulten Kollegen möglich ist.