Tarifrunde öffentlicher Dienst 2020

Tarifinfos ÖD: Ergebnis angenommen

Tarifrunde öffentlicher Dienst 2020

Tarifinfos ÖD: Ergebnis angenommen

Bundestarifkommission stimmt für Annahme der Tarifeinigung und Übertragung auf die Wasserwirtschaft.
TRöD unverzichtbar 2020 Banner allgemein ver.di FB 02 Ihr wart in der Tarifrunde deutlich sichtbar: coronagerecht phantasievoll, laut und vor allem entschlossen!

Tarifeinigung im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen: Deutliche Anhebung für untere Einkommen und Gesundheitsberufe

In der Tarifrunde für die rund 2,3 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen haben die Tarifparteien am Samstagabend, den 24. Oktober 2020, einen Abschluss erzielt. Dieser wurde nach intensiver Diskussion der ver.di-Mitglieder am 24. November durch die Bundestarifkommission angenommen.

Des Weiteren hat die ver.di Tarifkommission für die Wasserwirtschaft in NRW am 26. November 2020 die Übertragung des Tarifergebnisses auf die Wasserwirtschaft beschlossen.

Mehr Infos dazu findet ihr in den Tarifinfos unten!

Ihr habt mit eurer Arbeit in der Pandemie den Laden am Laufen gehalten und tut es noch. Nur durch euren starken Einsatz ist es gelungen, die Arbeitgeber davon abzuhalten, euch bei einer überlangen Laufzeit mit Kleingeld abzuspeisen!

Christoph Schmitz, ver.di-Bundesfachbereichsleiter Ver- und Entsorgung

Die Tabellenentgelte im TV-V werden:

  • ab dem 1. April 2021 um 1,56 Prozent
  • ab dem 1. April 2022 um 1,8 Prozent steigen.

Die Tabellenentgelte im TVöD erhöhen sich:

  • ab dem 1. April 2021 um 1,4 Prozent, mindestens aber um 50 Euro und
  • ab dem 1. April 2022 um 1,8 Prozent.

Der Tarifvertrag läuft bis zum 31. Dezember 2022.

Arbeitszeitangleichung Ost/West: Ab Januar 2022 und Januar 2023 sinkt die Arbeitszeit der Beschäftigten im Osten jeweils eine halbe Stunde und liegt ab 2023 mit 39 Stunden auf Westniveau.

Es wird außerdem eine nach Entgeltgrup­pen gestaffelte Corona-­Prämie geben, die noch dieses Jahr ausgezahlt wird. Sie beträgt:

  • 600 Euro für die Entgelt­gruppen 1 bis 8
  • 400 Euro für die Entgelt­gruppen 9 bis 12 und
  • 300 Euro für die Entgelt­gruppen 13 bis 15.

Die Prämie ist steuer-­ und abga­benfrei, sofern nicht bereits Prämien ausbezahlt wurden und in der Summe 1.500 Euro nicht überschritten werden.

Zusätzlich wird die Jahresson­derzahlung im TVöD bis einschließlich Entgeltgruppe 8 ab 2022 um 5 Pro­zent erhöht.

Alle Details findet ihr unten in den aktuellsten Tarifinfos und in der offiziellen Pressemeldung der ver.di vom 25. Oktober 2020.

     

  • Die Tarifrunde im Rückblick

    Auf Tarifauseinandersetzungen in Zeiten der Pandemie hätten wir gerne verzichtet. Aber die Arbeitgeber hatten unser Angebot zur Verschiebung ausgeschlagen und uns mit ihrer harten Haltung in den Konflikt gezwungen.

    Ihr habt in den letzten Wochen Großartiges geleistet! Ihr wart deutlich sichtbar: coronagerecht phantasievoll, laut und vor allem entschlossen. Die Warnstreiks haben gewirkt! Wir konnten eine Tarifeinigung erzielen, die unter den gegenwärtigen Bedin­gungen wirklich respektabel ist.

    Ein Riesenerfolg ist, dass wir die Angriffe der Arbeitgeber, die die Axt an das Eingruppie­rungssystem legen wollten, abwehren konnten!

    Mehr Details in unseren aktuellen Tarifinformationen, in den weiteren Abschnitten unten sowie in den aktuellsten ver.di-Tarifnews.

  • Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst können nicht von ihrem Einkommen leben.

    In den unteren Entgeltgruppen (EG) reicht das Geld sogar bei Vollzeitarbeit nicht, wenn man eine hohe Miete zahlen und Familie versorgen muss. Auch in den mittleren EG kann bei Teilzeitarbeit das Einkommen zu gering sein. Alleinerziehende, die nicht Vollzeit arbeiten können, oder Menschen, die zu Teilzeitarbeit gezwungen werden, kommen einfach nicht hin.

    All diese Kolleginnen und Kollegen müssen Nebenjobs annehmen, wenn sie denn die Zeit dafür haben, oder sie müssen aufstocken. Das ist ein unhaltbarer Zustand! Menschen, die diese Gesellschaft am Laufen halten, haben Anspruch auf Respekt. Da hat die Pandemie schon einiges bewegt. Der Respekt muss aber über Applaus hinausgehen. Sie müssen auch von ihrer Arbeit leben können!

    Deshalb reicht es nicht, alle Einkommen um einen bestimmten Prozentsatz anzuheben, denn dabei werden vor allem die höheren EG bedacht. Die Menschen in den unteren EG müssen mehr bekommen. Denn die Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Mieten treffen sie stärker als Menschen mit höheren Einkommen, die von Preissenkungen z. B. bei Autos und Reisen profitieren können.

    Deshalb braucht es einen Mindestbetrag von 150,- Euro, der bis zur EG 9b Stufe 1 TVöD/ EG 6 Stufe 1 TV-V eine höhere Steigerung bedeutet als die prozentuale Erhöhung um 4,8 Prozent.

    Dafür kämpfen wir – denn die Kolleginnen und Kollegen in der Abfallwirtschaft, in Krankenhäusern und in der Altenpflege, in Theatern und Bädern, in Kanalbetrieben und Bauhöfen sowie in vielen weiteren Betrieben und Dienststellen sind darauf angewiesen.

    Die Arbeitgeber sagen: Die Tätigkeiten in den unteren Entgeltgruppen sind sowieso schon viel teurer als vergleichbare Jobs in der Privatwirtschaft.

    Aber das ist falsch. Die Arbeit in der Privatwirtschaft wird viel zu schlecht bezahlt. Wie soll man denn von noch weniger leben können?

    Solche privaten Arbeitgeber werden von uns allen aus Steuermitteln subventioniert – nur durch ergänzende Sozialleistungen können die Menschen mit diesen Jobs überleben. Das darf für die öffentlichen Arbeitgeber kein Maßstab sein.

    In den unteren Entgeltgruppen wird körperlich schwere Arbeit erledigt. Oft ist sie außerdem psychisch belastend. Menschen, die so hart arbeiten, sollen sich nicht auch noch ums Geld sorgen müssen. Das gilt immer. Zusätzlich leisten die Kolleginnen und Kollegen unter den Bedingungen der Pandemie Überdurchschnittliches und müssen sich auf geänderte Arbeitssituationen einstellen, wie z.B. abweichende Arbeitszeiten, geänderte Touren und besondere Gefährdung.

    Auch in den unteren Entgeltgruppen werden qualifizierte Tätigkeiten ausgeübt. Auch hier gibt es zu wenige Fachkräfte. Die öffentlichen Arbeitgeber haben also ein eigenes Interesse daran, hier nachzulegen. Sie geben es aber nicht zu.

    Deshalb müssen wir alle gemeinsam bis zum Beginn der dritten Verhandlungsrunde am 22. Oktober an betriebsnahen, bezirklichen und landesbezirklichen Warnstreiks teilnehmen – und jeder und jede sollte noch jemanden mitbringen. Packen wir’s an!

  • Bilanz zur zweiten Verhandlungsrunde

    Noch in der letzten Woche hat die VKA (Vereinigung der kommunalen Arbeit­geberverbände) bemängelt, die Verhandlungen würden nicht zügig genug gehen. Nun haben sie nicht einmal ein Angebot vorgelegt!

    So war die zweite Verhandlungsrunde am vergangenen Wochenende (19. und 20.09.) sinnlos verplemperte Zeit! Die Arbeitgeber haben vor allem erklärt, was von unseren Forderungen und Erwartungen alles nicht geht. Stattdessen wollen sie:

    • sehr lange Laufzeit auch bei minimalster Erhöhung
    • keinen Mindestbetrag, keine soziale Komponente
    • keine Arbeitszeitverkürzung in welcher Form auch immer

    Das akzeptieren wir nicht und rufen stattdessen die Beschäftigten zu Warnstreiks auf. Die Planung in den ver.di-Bezirken vor Ort läuft jetzt auf Hochtouren. Die ersten Warnstreiks begannen am Dienstag, den 22. September 2020 und dauern mindestens an bis zur dritten Verhandlungsrunde am 22. Oktober. Macht mit und seid dabei!

    Mehr Details dazu in unseren aktuellen Tarifinformationen unten und in den aktuellsten ver.di-Tarifnews.

  • Wir bleiben dabei – unsere Forderung ist mehr als gerechtfertigt!


    Wir bleiben dabei – unsere Forderung nach Einkommenserhöhung um 4,8 Prozent, mindestens aber um 150 Euro, ist mehr als gerechtfertigt!

    Auch wenn in Zeiten von Corona vieles anders ist, gilt das nicht für das Auftreten und die Haltung der Arbeitgeber von Bund und VKA.

    Nach dem Motto „und täglich grüßt das Murmeltier“ haben die Arbeitgeber von Bund und VKA bei der ersten Tarifverhandlung am 1. September 2020 in Potsdam unsere Forderungen als völlig überzogen und utopisch zurückgewiesen. Anstatt dem im Vorfeld gespendeten Applaus nun endlich auch entsprechende Einkommenserhöhungen folgen zu lassen, argumentieren sie, das sei nicht finanzierbar und gefährde die öffentlichen Haushalte.

    Wir wissen: Die Anforderungen an die Beschäftigten und die damit einhergehenden Belastungen sind in den vergan­genen Jahren ständig gestiegen. Insbesondere die letzten Monate haben gezeigt, wie unverzichtbar die Arbeit der Beschäftigten im öffentlichen Dienst für die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land ist.

    Die Haltung von Bund und VKA ist auch kurzsichtig: Denn wer öffentliche Dienstleistungen erbringen will, braucht dafür qualifiziertes und motiviertes Personal.

    Vor uns stehen schwierige Verhandlungen. Den Arbeitgebern schwebt ein Tarifabschluss vor nach der Devise "nichts bis wenig mit einer langen Laufzeit".

    Frank Werneke, Vorsitzender der ver.di

    „Freundlicher Austausch“, aber meilenweit auseinander

    Die Arbeitgeber haben freundliche Worte über die Leistung der Beschäftigten gefunden. Außer einer Verständigung über das weitere Vorgehen bei den Verhandlungen gab es jedoch keine Angebote.

    Insbesondere die kommunalen Arbeitgeber beharren dar­auf, dass man aufgrund leerer Kassen in einer schwierigen Situation sei. Daran ändere sich nach ihrer Sicht auch bis ins Jahr 2023 nichts.

    Der Tarifabschluss darf aus ihrer Sicht möglichst wenig bis nichts kosten und soll eine möglichst lange Laufzeit haben. Konflikte sind also vorprogrammiert!

    Sonderfälle Gesundheit und Sparkassen

    Eine Verständigung gab es darüber, dass über die besondere Situation im Gesundheitsbereich, für die Pflege und den öffentlichen Gesundheitsdienst gesondert verhandelt werden soll.

    Nach unseren Vorstellungen soll es dabei um eine Pflegezulage sowie die Einbeziehung der Pausen bei Wechselschichtarbeit und Erhöhung des Zuschlags für Samstagsarbeit gehen.

    Gesondert verhandelt werden soll auch für die Sparkassen. Darauf haben die kommunalen Arbeitgeber großen Wert gelegt.

    Schon am 8. September fanden die gesonderten Gespräche für die Sparkassen sowie den Gesund­heitsbereich mit Pflege und öffentlichem Gesundheitswesen statt. Diese Verhandlungen dienten zur Vorbereitung spezieller Themen in diesen Bereichen und bereiteten die weitere Bearbeitung in der zweiten Verhandlungsrunde vor.

    Die Verhandlungen wurden in der zweiten Runde am Wochenende vom 19. bis 20. September 2020 fortgesetzt. Das Ergebnis: KEINS! Wir treten nun in Warnstreiks!

    Weitere Tarifinformationen für Beschäftigte und ein gesondertes Infoblatt für die Jugend im öffentlichen Dienst findet ihr hier als PDF:


Wir bleiben dabei: Mehr werden, mitkämpfen, Druck erhöhen!

Seid dabei und mischt euch ein, denn gemeinsam sind wir stark!

Immer noch nicht Mitglied bei ver.di?

Dann nichts wie los – für gute Tarife im öffentlichen Dienst!


Ich will mehr Infos zu ver.di!

Mehr Infos zur Tarifbewegung im Öffentlichen Dienst:

Warnstreiks zur #Troed2018, hier in Duisburg
© Marcus Drewes