Konferenzen

Konferenz 2018 für BR, PR und JAVen

Wasserwirtschaft

Konferenz 2018 für BR, PR und JAVen

21. Konferenz der ver.di-Wasserwirtschaft diskutierte über Digitalisierung in der Wasserwirtschaft.
21. Konferenz für BR, PR und JAVen in der Wasserwirtschaft ver.di, BFG Wasserwirtschaft

Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein

Unaufhaltsam schreitet die Digitalisierung voran. Wobei immer und auch vehementer darüber diskutiert wird, dass Digitalisierung gestaltet werden muss, aber es fehlt weiterhin an entsprechenden Taten – besonders von Seiten der Politik.

Die Digitalisierung und ihre Herausforderungen standen auch im Mittelpunkt unserer diesjährigen Konferenz für Interessenvertretungen aus der ver.di-Wasserwirtschaft. Die Veranstaltung fand Ende September 2018 in Erfurt statt.

Unten liefern wir einen allgemeinen Überblick und den Ablaufplan zu unserer 21. Konferenz für Betriebsräte, Personalräte sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen.

Weitere Teile unserer Dokumentation gibt es hier mit PDFs zum Download und Bildmaterial:

Zusammenfassung unserer 21. Konferenz für BR, PR und JAVen

Rechtzeitig zur Konferenz 2018 veröffentlichte unsere ver.di-Bundesfachgruppe Wasserwirtschaft ihre Position zur Digitalisierung in einem Flyer.

Im Zentrum steht dabei die Aussage, dass besonders in der Wasserwirtschaft Digitalisierung nicht um der Digitalisierung Willen vorangetrieben werden soll. Vielmehr müsse in der Wasserwirtschaft die These lauten:

„Es wird digitalisiert, wenn und soweit es dem Zweck – der sicheren Versorgung bei hoher Qualität – dient und gleichzeitig nachhaltig und wirtschaftlich ist sowie der Kundenzufriedenheit nützt.“

In sechs Workshops diskutierten die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer über:

  • Arbeitnehmerhaftung
  • Betriebs- und Dienstvereinbarungen zur Digitalisierung
  • Eingruppierung im Tarifvertrag Versorgungsbetriebe
  • Fachkräftenachwuchs
  • Rufbereitschaft und
  • über die Themen der Jugend- und Auszubildendenvertretungen in der Wasserwirtschaft.

Außerdem besichtigte die Konferenz das historische Quellwasserwerk in Erfurt und die Talsperre Schmalwasser, dazu gibt es hier eine Bildergalerie.

Die Teilnehmenden informierten sich auch über die Thüringer Fernwasserversorgung und die Stadtwerke Erfurt, die beide unsere ver.di-Wasserwirtschaftskonferenz freundlich unterstützt haben.

Wasser ist Lebensmittel Nr. 1

Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, ging in seinem Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Wasserwirtschaftskonferenz auf Unternehmen wie Amazon ein, die „nur drei Prozent Steuern zahlen“.

Unternehmen, die „absahnen, aber nicht richtig Steuern bezahlen“, nannte Ramelow „Sozialschmarotzer“.

21. Konferenz für BR, PR und JAVen in der Wasserwirtschaft ver.di, BFG Wasserwirtschaft

Zugleich hob er die Bedeutung der Daseinsvorsorge hervor: „Wasser ist ein Lebensmittel.“ Die permanente staatliche Überwachung des Lebensmittels sorge für eine gleichbleibend hohe Qualität des Trinkwassers.

Wirtschaftlich gesehen ist Thüringen ist nach Ramelows Worten gut aufgestellt. Als nach wie vor ungelöste Probleme nannte er die Zahl der Langzeitarbeitslosen und die Zeitarbeit.

Gerade im Einzelhandel und im Großhandel würden Tarifverträge nicht mehr binden. Ein Drittel der Belegschaft arbeite hier inzwischen über Zeitarbeitsfirmen.

Ramelow verwies auch auf den Wasserreichtum Thüringens. Der Freistaat stehe nicht nur für ein grünes Herz, für Wald, Klöße und Bratwurst.

„Wir haben auch das Thüringer Meer", sagt er – und meinte damit die Thüringer Stauseen, die teilweise auch für den Tourismus interessant seien.


Thüringen hat aber nicht nur viel Wasser, sondern auch den höchsten Wasserpreis in Deutschland – für Ramelow auch eine Folge der teuren Speichertechnik, die in Thüringen aufgebaut werde. Dass die alte, bestehende Technik nicht genutzt werde, „das versteht keiner“.

Mit Blick auf die Regelungen der Gewässerpflege warf Ramelow den Kommunen vor, das Geld aus dem Landeshaushalt für diese Aufgabe einzustreichen, aber nicht für den Gewässerschutz und die Gewässerpflege einzusetzen, sodass auch künftig mit Überschwemmungen nach Starkregen gerechnet werden müsse.

21. Konferenz für BR, PR und JAVen in der Wasserwirtschaft ver.di, BFG Wasserwirtschaft Konferenz 2018 für BR, PR und JAVen in der Wasserwirtschaft

Alles digital?

Muss und wird tatsächlich alles digitalisiert, was digitalisiert werden kann – wie manche Experten heutzutage behaupten? Hoffentlich nicht, meinte Nikolaus Geiler vom Freiburger Arbeitskreis Wasser im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

Geiler wie auch die Wasserwirtschaftsverbände machen ein dickes Fragezeichen hinter die fortschreitende Digitalisierung. Ihrer Ansicht nach sind Smart Meter, Smart Grid und Smart Cities nicht uneingeschränkt ein Gewinn für die Wasserwirtschaft oder die Verbraucherinnen und Verbraucher.

Die Ziele, die mit der weiteren Digitalisierung erreicht werden könnten, könnten auch ein fitter Klärmeister und eine engagierte Ingenieurin mit traditionellen Mitteln erreichen.

Uwe Pöhls vom Institut für empirische Sozial- und Kommunikationsforschung kritisierte, dass bisher die Digitalisierung viel zu wenig gestaltet wurde.

Er wirft der Politik vor, nur das zu regeln, was leicht geregelt werden kann. Doch das, was eigentlich geregelt werden müsste, werde nicht geregelt, weil es sich als kompliziert herausstelle.

Nach Pöhls Erkenntnissen sehen die Unternehmen der Wasserwirtschaft vor allem den Datenschutz und die Datensicherheit als Hindernisse auf dem digitalen Weg. Zudem klagten die Unternehmen, nicht genügend qualifiziertes Personal zu finden, um die Digitalisierung umzusetzen.

21. Konferenz für BR, PR und JAVen in der Wasserwirtschaft ver.di, BFG Wasserwirtschaft Konferenz 2018 für BR, PR und JAVen in der Wasserwirtschaft

Online-Türen schließen

Wie wichtig die Sicherheit gerade in der Wasserwirtschaft ist, wird auch dadurch deutlich, dass sie als kritische Infrastruktur eingestuft ist und sie besondere Vorkehrungen treffen muss, um die Anlagen zu sichern.

Andreas Kahlert, Sprecher der ver.di-Bundesfachgruppe Wasserwirtschaft, erklärte am Beispiel der Wasserwerke Westfalen, wie das Unternehmen sich Schritt für Schritt auf die von der Politik vorgeschriebene Sicherheits-Zertifizierung vorbereitete, wie viel Zeit es dafür investierte und wie viel die Sicherheit der Anlagen das Unternehmen Jahr um Jahr kostet.

Er verwies aber darauf, dass nicht nur die Online-Türen fest geschlossen sein müssen. Denn die beste Online-Sicherung vor Hackern reicht nicht,  wenn die klassischen Türen weit offen stehen und Kriminelle einfach in die Gebäude kommen und die Anlagen manipulieren können.

Dass die Technik gerade bei Smart Urban Services (SUSs) noch längst nicht das liefert, was man sich von ihr versprach, zeigen die Versuche in Reutlingen und Chemnitz.

Beide Städte testeten datenbasierte Dienstleistungen. Diese SUSs sollen das urbane Leben auf absehbare Zeit weitgehend bestimmen, wenn nicht gar komplett auf den Kopf stellen.

Doch die Projekte haben gezeigt: Es wird noch einige Jahre dauern und es wird noch einige Grübelei der Ingenieure brauchen. Denn die Sensoren in Reutlingen zum Beispiel lieferten nicht die Daten, die gebraucht wurden, um den Nutzen zu stiften – einfach, weil sie verschwanden.

 

Hier findet ihr die Dokumentation der 20. Betriebs-, Personalräte- und JAV-Konferenz der Wasserwirtschaft 2017 in Dortmund.

Die nächste Konferenz der ver.di-Wasserwirtschaft ist für den 21. bis 23. Mai 2019 in Essen geplant.

Rückblick auf weitere Konferenzen: zur Übersichtsseite