Digitalisierung

Konferenz 2019 für Ausbildungskräfte

Veranstaltung

Konferenz 2019 für Ausbildungskräfte

Rückblick zur 5. Konferenz für Ausbilderinnen und Ausbilder in der Ver- und Entsorgung
5. Konferenz für  Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2

Arbeite wann, wo und mit wem du willst

Konferenz für Ausbilderinnen und Ausbilder beschäftigt sich mit den Folgen der Digitalisierung.

Die aktive Gestaltung der Digitalisierung ist für Frank Bsirske, Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di, eine der zentralen Zukunftsaufgaben der Gewerkschaften.

Vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der 5. ver.di-Konferenz für Ausbildungskräfte in der Ver- und Entsorgung betonte er: „Nicht die Digitalisierung ist das Problem, sondern das, was wir daraus machen.“

Bsirskes Ansicht nach braucht es Tarifverträge, mit denen die Risiken der Digitalisierung abgefedert werden.

Die Veranstaltung fand am 2. und 3. April 2019 in Berlin statt.

Unten liefern wir einen allgemeinen Überblick und den Ablaufplan zu unserer 5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der Ver- und Entsorgung.

Weitere Teile unserer Dokumentation gibt es hier mit PDFs zum Download und Bildmaterial:

Zusammenfassung unserer 5. Konferenz für Ausbilderinnen und Ausbilder

Die Digitalisierung und ihre Folgen für die Ausbildung und die Berufe standen im Mittelpunkt der ver.di-Konferenz für Ausbilderinnen und Ausbilder Anfang April in Berlin. Dabei ging es unter anderem darum, wie Berufsschullehrkräfte qualifiziert werden; wie sich Kompetenzen der Auszubildenden digital erfassen lassen; wie Berichtshefte digital geführt werden können. Außerdem gingen die Konferenzteilnehmerinnen und Konferenzteilnehmer der Frage nach, wie sich die Berufe in der Ver- und Entsorgung angesichts der Digitalisierung bereits verändert haben und wie sie sich weiter verändern werden.

In verschiedenen Workshops vertieften die Konferenz-Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeiten der neuen Medien im Zusammenhang mit der Ausbildung, besuchten mit einer VR-Brille eine virtuelle Kläranlage, informierten sich über die Nutzung des Berufswelten-Portals. Amine El Aryf, Ausbilder für Förderberufe bei den Berliner Wasserbetrieben, erläuterte, wie seiner Ansicht nach Ausbildung von Benachteiligten und Flüchtlingen gelingen kann – nämlich mit klaren Ansagen und einem Verhandeln auf Augenhöhe.

5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der Ver- und Entsorgung

In den Branchen-Workshops diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die spezielle Situation in der Wasser-, der Energie- und der Abfallwirtschaft. So wird in der Abfallwirtschaft nach wie vor zu wenig ausgebildet, hieß es. Gerade für kleine Unternehmen sei es längst keine Selbstverständlichkeit, junge Leute oder Quereinsteiger auszubilden. 

Dass die Digitalisierung die Arbeitswelt bereits umgekrempelt hat und auch weiter beeinflussen wird, steht für Wilfried Pater, früherer Ausbildungsleiter der Telekom, außer Frage. Die Veränderungen zeigen sich in der gesamten Arbeitswelt – von der Arbeitsgestaltung und Arbeitszeitgestaltung bis hin zur Arbeitskultur.  Die Digitalisierung bringt seiner Ansicht nach hyperflexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte. Es werden neue Jobprofile entstehen mit völlig neuen Kompetenztiefen. Flache Hierarchien werden ebenso Standard sein wie mehr Selbstbestimmung. Und die Ausbildung? Auch sie ist längst im Wandel begriffen: Virtueller Unterricht erobert sich bereits seinen Raum in der Ausbildung, künftig wird er zum Standard gehören – und damit lernt jeder wann, wo und wie lange er will. Die Kernkompetenzen, die künftig von den Beschäftigten gefordert werden, lauten: Kreativität, Flexibilität und Geschwindigkeit.

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Wie wichtig es ist, bereits heute mediale Technik in die Ausbildung einzubeziehen, betont Rüdiger Heidebrecht von der Deutschen Vereinigung für Wasser, Abwasser und Abfall. Ausbilderinnen und Ausbilder müssen Medienkompetenz besitzen und Medienkompetenz vorleben. Wobei Heidebrecht unter Medienkompetenz die Fähigkeit versteht, berufliche Aufgabenstellungen mit selbst gestalteten medialen Produkten zu konzipieren. Warum das wichtig ist? Weil heute kaum ein junger Mensch ohne Smartphone lebt – und damit auch die neuen Medien intensiv nutzt. Der Einsatz neuer Medien in der Ausbildungspraxis erleichtert den Auszubildenden das Lernen.

Dass neue Medien auch bei der Suche der neuen Auszubildenden und nach neuen Fachkräften genutzt werden, dafür wirbt Matthias Kruse von der Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser (wvgw). Die wvgw hat ein Portal ins Leben gerufen, in dem Berufsbilder und Unternehmen vorgestellt werden und mit dem die Betriebe Auszubildende und Fachkräfte suchen können.

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Berufspraktika brauchen Qualitätsstandards

Jeanette Klauza vom DGB fordert Qualitätsstandards für die Berufspraktika, die Schülerinnen und Schüler absolvieren. Solche Standards nützen den jungen Leuten ebenso wie den Unternehmen. Denn eigentlich könnten diese Praktika für die Unternehmen ein Recruting-Instrument sein. Doch oftmals verschenkten die Unternehmen diese Möglichkeiten – obwohl viele von ihnen inzwischen aktiv Auszubildende und Nachwuchskräfte suchen müssen als Folge des demografischen Wandels.

Zudem plädiert sie dafür, dass die Schulen den Schülerinnen und Schülern diese Praktika nicht als lästige Pflicht vermitteln, sondern als etwas Positives, denn sie können mit den Praktika erstmals in ihrem Leben in einen Beruf hineinschnuppern. Wichtig ist für Klauza deshalb auch, dass die Praktika in den Schulen ernst genommen, entsprechend vorbereitet und begleitet werden.

„Qualitätsstandards können dabei helfen, dass sich die Schülerinnen und Schüler besser mit ihrem Praktikum auseinandersetzen – bevor sie es beginnen und danach“, ist Klauza überzeugt.

Und in den Betrieben würden Standards dafür sorgen, dass die Praktikant*innen nicht nur da sind, sondern dass ihnen tatsächlich ein Einblick in die Abläufe des Betriebes gewährt wird.

Die Digitalisierung verlangt Weiterbildung und Qualifizierung

Einen Anspruch auf Weiterqualifizierung, den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen und neue Arbeitszeitregelungen für den Fall, dass Digitalisierung zu massivem Arbeitsplatzabbau führt – das alles sind für Frank Bsirske, Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di, Elemente eines Digitalisierungstarifvertrags. Gleichzeitig erinnerte er die Ausbilder*innen daran, dass solche Tarifverträge nur möglich sind, wenn die Menschen die möglichen Folgen der Digitalisierung zu „ihrer Sache machen“.

Bsirske verwies auf Prognosen, die einen pessimistischen Blick auf die Zukunft legen und davon ausgehen, dass die Digitalisierung Stellen vernichtet. Allerdings gebe es mindestens genauso viele, wenn nicht gar mehr Prognosen, die damit rechnen, dass zwar in den Bereichen Handel, Logistik und öffentliche Verwaltung zwar etwa 1,5 Millionen Arbeitsplätze verschwinden. Doch es würden in den Bereichen Pflege, Medien und Erziehung genauso viele Arbeitsplätze neu entstehen.

Qualifizierung der Beschäftigten steht für Bsirske ganz oben auf der Agenda der Gewerkschaften. Nach dem Prinzip der Altersteilzeit müsse eine Bildungsteilzeit eingeführt und es müsse über Lohnfortzahlung bei Qualifizierung nachgedacht werden. Für kleine Unternehmen könnten Weiterbildungsfonds nach dem Vorbild anderer Länder eingeführt werden. Aus diesem zentralen Fonds könnte der Lohnausfall während einer Weiterbildungsmaßnahme finanziert werden. Allerdings sähen Beschäftigte ihre eigene Weiterqualifizierung derzeit noch sehr gelassen – vielleicht zu gelassen.

 


Hier findet ihr die Dokumentation der 4. Konferenz für Ausbildungskräfte, sie fand im März 2017 in Berlin statt.

Den Termin der nächsten ver.di-Konferenz für Ausbildungskräfte geben wir in Kürze hier auf unserer Webseite bekannt: dranbleiben!

Rückblick auf weitere Konferenzen: Mit freundlicher Unterstützung der