Digitalisierung

Konferenz 2019 für Ausbildungskräfte: Redebeiträge

Veranstaltung

Konferenz 2019 für Ausbildungskräfte: Redebeiträge

Unten findet ihr die Dokumentation der einzelnen Redebeiträge unserer 5. Konferenz für Ausbilderinnen und Ausbilder in der Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft. Dazu gibt es PDFs zum Download und Bildmaterial.

Die Konferenz fand Anfang April 2019 in Berlin statt.

  • Kerstin Oster, Vorständin Personal und Soziales, Berliner Wasserbetriebe

    Digitalisierung ist weder schwarz noch weiß

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Kerstin Oster auf der 5. Konferenz für Ausbildungskräfte

    Digitalisierung ist für Kerstin Oster, Vorständin für Personal und Soziales der Berliner Wasserbetriebe (BWB), weder „schwarz noch weiß“. Aber sie habe „großes Potenzial“, ist sich Oster sicher. Die Digitalisierung darf nach ihren Worten den Beschäftigten nicht Angst machen, sondern muss als Chance kommuniziert werden.

    Sie erinnert daran, dass infolge der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahren viele Beschäftigte der Berliner Wasserbetriebe altersbedingt das Unternehmen verlassen. Das Unternehmen habe schon damit begonnen, sich so aufzustellen, dass es interessant sei für künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

    Die Gesellschaft und die Arbeitswelt stecken nach Osters Darstellung mitten in einem Wandel. Die Berliner Wasserbetriebe „stellen sich diesem Wandel“, sagt sie. Diesen erfolgreich durchlaufen könnten die BWB aber nur gemeinsam mit den Beschäftigten und den Personalräten. Ein gemeinsames Agieren auf Augenhöhe ist für die Vorständin unerlässlich. Sie räumt ein, dass die Digitalisierung in vielen Fällen mit einer schleichenden Entgrenzung der Arbeitszeit einhergeht. Gemeinsam könnten Arbeitgeber und Beschäftigten mit fairen Regelungen dieser Entgrenzung entgegenwirken.

  • Andreas Scheidt, ver.di-Vorstandsmitglied und Bundesfachbereichsleiter Ver- und Entsorgung

    Es geht um Regelungen für die Zukunft

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Andreas Scheidt auf der 5. Konferenz für Ausbildungskräfte

    Die Arbeitszeit muss in den Fokus der Gewerkschaft rücken, so Andreas Scheidt, Leiter des Bundesfachbereichs Ver- und Entsorgung. Ein Arbeitskreis, den der Fachbereich ins Leben gerufen hat, diskutiert derzeit darüber, wie ver.di perspektivisch mit Fragen zur Arbeitszeit umgehen kann.

    Er erinnert daran, dass mit der Rufbereitschaft und dem Bereitschaftsdienst Grauzonen bei den Arbeitszeiten entstanden sind, bei denen teilweise gegen Gesetze und Tarifverträge verstoßen wird. „Wir haben verstanden“, sagt Scheidt und betont, die Schwachpunkte bestehender Regelungen seien erkannt. Allerdings wolle die Gewerkschaft „keine Regelungen für die Vergangenheit. Es geht um gute Regelungen für die Zukunft.“

    Besorgt zeigt sich Scheidt über die Pläne der Politik, das Arbeitszeitgesetz aufzuweichen. Gerade das Arbeiten im Home-Office verleite die Arbeitnehmer*innen zu Arbeiten an den Randzeiten, zu Entgrenzung der Arbeit und zu unbezahlter Mehrarbeit. Die Arbeitszeitumfrage von ver.di ziele darauf, die Situation von abhängig Beschäftigten nachzuzeichnen und zu dokumentieren, wann, wie lange und wo gearbeitet werde. Etwa 1000 Berufe seien in die Befragung einbezogen, mit der ver.di sich ein Bild darüber verschaffen will, wo in Sachen Arbeitszeit die Beschäftigten genau der Schuh drückt. 

    Was die Ausbildung betrifft, so sieht Scheidt in den drei Bereichen, für die der Bundesfachbereich steht – Wasser, Energie und Abfall –, den Bewerbermangel als ein gemeinsames Problem an. „Die Betriebe verdoppeln z.T. ihre Ausbildungszahlen und bekommen nicht mehr genügend Bewerbungen“, so seine Beobachtungen: „Da ist viel Fantasie gefragt, um gute Lösungen zu finden.“ Mit Blick auf Berufskraftfahrer*innen speziell in der Abfallwirtschaft kritisiert er, dass die Betriebe nach wie vor lieber Personal von der Konkurrenz abwerben als selbst auszubilden.

  • Rolf Wiegand, ehrenamtlicher Vorsitzender des Bundesfachbereichs Ver- und Entsorgung

    Gute Ausbildung ist die beste soziale Absicherung

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Rolf Wiegand auf der 5. Konferenz für Ausbildungskräfte

    Es ist für die Unternehmen der Ver- und Entsorgung inzwischen schwer geworden, geeignete Auszubildende zu bekommen. Rolf Wiegand, ehrenamtlicher Vorsitzender des Bundesfachbereichs Ver- und Entsorgung, plädiert deshalb dafür, auch junge Leute für eine Ausbildung in Erwägung zu ziehen, die nicht die optimalen Voraussetzungen mitbringen.

    Die Unternehmen müssten mehr Zeit und mehr Engagement investieren. Dann aber stünden die Chancen gut, dass aus nicht-optimalen Auszubildenden qualifizierte und motivierte Fachkräfte werden.

    Er erinnert daran, dass eine gute Ausbildung die beste soziale Absicherung darstellt. Auch  weil auf einer guten Ausbildung aufgebaut werden kann, wenn sich die Frauen und Männer weiterbilden müssen.

  • Ingo Mayer, Regierungsschuldirektor, Regierung von Schwaben

    Schulämter setzen auf Qualitätsmanagement 

    Jeder will gute Lehrkräfte. Natürlich auch Berufsschulen. Für die Regierung von Schwaben müssen Lehrer*innen neben unterrichten, erziehen und beurteilen, aber auch innovativ sein können. Ihr ganzes Berufsleben lang. Und deshalb spiele auch die Weiterbildung der Lehrkräfte - auch in den Berufsschulen -  eine bedeutende Rolle . Das meint  jedenfalls Regionalschuldirektor Ingo Mayer von der Regierung von Schwaben in Bayern.

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Ingo Mayer auf der 5. Konferenz für Ausbildungskräfte

    Wie andere Bundesländer auch kennt Bayern verschiedene Wege, Berufsschullehrer zu gewinnen. Entweder ganz klassisch über die Hochschule oder über die Fachlichkeit – also über den Beruf. Wobei die Fachlehrerinnen pädagogisch geschult werden – teilweise parallel zu ihren Unterrichtsstunden. So dass sie drei Tage die Woche ausgebildet werden und zwei Tage das Gelernte schon im Unterricht anwenden können.

    Weil aber aktuelles Wissen – ob nun das pädagogische oder das fachliche – für Lehrkräfte das A und O ist, müssen sie sich gerade in Zeiten des digitalen Wandels weiterbilden. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung. Hier werden unter anderem Lehrgänge zur Digitalisierung in Modulform angeboten. Doch das ist nicht alles: Ingo Mayer verweist auf die regionale und die schulinterne Lehrkräftefortbildung. In Schwaben ist diese Fortbildung Teil des Qmbs – des Qualitätsmanagements der beruflichen Schulen.

    Generell sind auch die Berufsschulen Ländersache. Das bedeutet: Die grundlegenden Themen, die unterrichtet werden, sind im Rahmenlehrplan bundesweit einheitlich festgelegt. Wie allerdings unterrichtet wird, obliegt den Ländern. Und den Schulen, denn sie können Schwerpunkte setzen. So haben die Schulen teilweise vor allem die Prüfungen im Blick und richten den Unterricht maßgeblich an den Prüfungsaufgaben aus. Andere wiederum orientieren sich zwar auch den Anforderungen der Prüfungen, aber sie wollen auch stark die Anliegen der regionalen Unternehmen berücksichtigen.

    Für Mayer spielen gerade im Berufsschulbereich Quereinsteiger eine bedeutende Rolle. Denn sie sind diejenigen, die den direkten Praxisbezug und die Praxiserfordernisse immer wieder neu in die Schulen tragen.

  • Rüdiger Heidebrecht, DWA Leiter Bildung und internationale Zusammenarbeit

    Damit lernen Spaß macht: Digitale Technik in die Ausbildung einbeziehen

    Ein Lehrer mit 50 Jahren hat selbst als Schüler weder Handy noch Computer bedient. Er hat keine Mails geschrieben und keine sozialen Medien gekannt. All das hat er erst im Laufe seines Lebens kennen und vielleicht auch schätzen gelernt. Aber er gehört nicht zu den Digital Natives. Anders gesagt: Wenn sich diese Lehrerinnen und Lehrer nicht aktiv um Weiterbildung bemüht haben, diese neuen Medien nicht in ihr Leben und in ihren Unterricht integriert haben, stehen sie wie Dinosaurier vor der Klasse – wobei es schnell dazu kommen kann, dass nicht die Lehrer den Schülerinnen und Schülern etwas beibringen, sondern umgekehrt.

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Rüdiger Heidebrecht auf der 5. Konferenz für Ausbildungskräfte

    Für Rüdiger Heidebrecht, Leiter Bildung und internationale Zusammenarbeit bei der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall), ist deshalb die Qualifizierung von Ausbildungskräften zur Nutzung neuer Medien in der Ausbildung ein zentrales Anliegen. Andere Bildungsexperten geben ihm Recht: Eine Umfrage unter 500 Bildungsexpert*innen 2017 ergab, dass die Qualifizierung der Ausbilderinnen und Ausbilder für die Befragten die größte Herausforderung darstellte.

    Wobei eine andere Zahl dies noch verdeutlicht: Inzwischen haben 99 Prozent aller Mädchen und jungen Frauen zwischen 12 und 19 Jahren ein Smartphone, bei den Jungen sind es 97 Prozent. Weit weniger besitzen PCs und Laptops. Das Smartphone, der kleine Computer, der stets mit von der Partie ist, hat das Rennen gemacht. Und damit arbeiten junge Leute komplett anders als ihre Elterngeneration.

    Was Heidebrecht erreichen will? Die Ausbilderinnen und Ausbilder sollen Medienkompetenz  besitzen und vorleben. Medienkompetenz versteht er als die Fähigkeit und die Bereitschaft des Ausbildungspersonals, mit Hilfe ausgewählter technischer Infrastrukturen berufliche Aufgabenstellungen mit (selbst gestalteten) medialen Produkten unter bewusster Nutzung digitaler Kommunikationswerkzeuge zu konzipieren. So könnten digitale Medien zu einem selbst erklärenden Assistenzsystem für die tägliche Ausbildungspraxis werden, mit dem den Auszubildenden das Lernen erleichtert wird. Und es wird auch spannender.

    Vieles ist derzeit schon möglich. Wie virtuelle Kläranlagen: 360-Grad-Videoaufnahmen zeigen dem interessierten Besucher die Kläranlagen in allen Einzelheiten. Oder die speziellen QR-Codes, die auf einer tatsächlichen Kläranlage an den verschiedenen Klärstufen angebracht wurden. Auszubildende, die auf diesen Kläranlagen lernen, können so stets die Informationen per Handy abrufen, die sie gerade brauchen. Denn die Codes verweisen auf Websites, die das gesamte Klärverfahren erläutern. Auf diese Infos können sie immer wieder zurückgreifen.

    „Lehrerinnen und Lehrer müssen fit sein“, betont Heidebrecht. Wie schaffen sie das? Indem sie sich stets weiterbilden. Sowohl fachlich als auch methodisch. Und indem sie sich selbst auf die neue Technik einlassen. Die DWA bietet immer wieder Seminare an, in denen moderne Ausbildungsstrategien vermittelt werden: Das Seminar „Lernen mit Spaß – ohne Papier und Powerpoint“ wird in verschiedenen Städten angeboten.

  • Matthias Kruse, Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser

    Fachkräfte gewinnen mit dem Berufsweltenportal

    Kaum ein Betrieb, der das Problem nicht kennt: Die Zahl der Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz ist drastisch zurückgegangen. Die Folge: Wenn sich die Unternehmen nicht aktiv um junge Leute bemühen, finden sich keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerber. Ähnlich sieht die Lage aus, wenn es um Fachkräfte geht: In vielen Betrieben können frei werdende Stellen nicht mehr lückenlos besetzt werden. Mit der Folge, dass für die verbliebenen Beschäftigten der Stress und die Arbeitsverdichtung steigen.

    Um den Unternehmen die Suche nach Fachkräften und Auszubildenden zu erleichtern, hat die wvgw (Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser) ein Online-Portal für Nachwuchskräfte und Fachpersonal in der Energie und Wasserwirtschaft ins Leben gerufen.

    Auf www.berufswelten-energie-wasser.de können Mitglieder des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfachs), des BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) und des rbv (Rohrleitungsfachverband) kostenlos Stellenanzeigen schalten. Doch das ist längst nicht alles: Auf dem Portal werden Berufsbilder vorgestellt, Ausbildungswege dargestellt – eben die Breite der Möglichkeiten präsentiert, die die Wasser- und Energiewirtschaft auszeichnet. Außerdem geht es um Weiterbildung, um Tipps für die Bewerbung und um Fortbildung. Zudem werden die Unternehmen der Branche vorgestellt.

  • Dr. Henning Klaffke, Kompetenzwerkstatt

    Kompetenz der Auszubildenden mit einem Online-Check erfassen

    Die Digitalisierung ist auch in der Kompetenzerfassung angekommen. Wobei Henning Klaffke von der Technischen Universität Hamburg klarstellt: „Die virtuelle Realität wird Didaktik nicht ersetzen.“ Und er fügt hinzu: „Wer was anderes meint, unterliegt einem Trugschluss.“ 

    Muss Kompetenzerfassung digital sein? „Nein, das geht auch analog“, betont Klaffke. Aber die digitalen Versionen haben einige Vorteile gegenüber der klassischen analogen Methode: Weil eben nicht nur Wissen abgefragt werden kann, sondern unter anderem mit Visualisierung und Simulation besser die einzelnen Kompetenzfaktoren ermittelt werden können. Und deshalb hat die Kompetenzwerkstatt eine Software entwickelt, mit der sich die Kompetenz der Auszubildenden erfassen lässt. 

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Dr. Henning Klaffke auf der 5. Konferenz für Ausbildungskräfte

    In der Kompetenzwerkstatt arbeiten Expert*innen des Instituts für Technische Bildung und Hochschulschuldidaktik der Technischen Universität Hamburg mit denen des Instituts Technik und Bildung der Universität Bremen zusammen.

    Sie stellen Methoden, Anleitungen, Hilfen und Anregungen – veröffentlicht in Handbüchern – sowie leicht zu verwendende Tools für die Ausbildungs- und Unterrichtspraxis zur Verfügung.

    Das Konzept, das hier zugrunde liegt, lässt sich im gesamten Bereich der gewerblich-technischen Berufsbildung einsetzen – in der Berufsvorbereitung, in der Erstausbildung und in der Weiterbildung.

    Ein Tool dieser Materialien ist die Kompetenzerfassung. Die Kompetenzwerkstatt richtet sich unter anderen an Ausbilder*innen, Berufsschullehrkräfte, Berufsbildungsplaner*innen sowie Berufspädagog*innen und Berufswissenschaftler*innen.

    Das Konzept des Kompetenz-Checks: Er soll die Kompetenzen des Auszubildenden im Arbeitsprozess durch Selbst- und Fremdeinschätzung feststellen. Dabei geht es um Wissen, Fertigkeiten, Sozialkompetenz und Selbstständigkeit.

    Wichtig dabei: Wie schätzen sich Auszubildende selbst ein, wie sieht es die Ausbildungskraft und wie nehmen die Auszubildenden die andere, womöglich gänzlich unterschiedliche Einschätzung auf?

    Lehrer sind nach Klaffke nicht nur dazu da, Themen zu unterrichten, sondern es gilt, den Auszubildenden Prozesse deutlich zu machen. „Von den Auszubildenden müssen Prozesse beherrscht werden. Die Ausbilder*innen entscheiden dabei, was an Theorie gebraucht wird, um diesen Prozess zu meistern.“ Die Ausbilder*innen entscheiden somit auch, welche Medien den Auszubildenden dabei helfen, diese Prozesse zu verstehen und umzusetzen. 

    In welchen Szenarien könnte der Kompetenz-Check von Vorteil sein? Für seine Entwickler*innen ist er vielseitig einsetzbar – um den aktuellen Kompetenzstand abzulesen, als Prüfungsvorbereitung, beim Wechsel der Abteilung, zum Ausbildungsbeginn oder bei der Bewerbung. Der Kompetenz-Check ist unter www.kompetenzwerkstatt.net zu finden.

  • Rüdiger Heidebrecht, DWA Leiter Bildung und internationale Zusammenarbeit

    Weil es Spaß macht und motiviert

    Wettbewerb kann eine Möglichkeit sein, die Motivation zum Lernen zu steigern. Deshalb wirbt Rüdiger Heidebrecht von der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall) dafür, die Auszubildenden zu den Water Skills Germany und Worldskills „Water Technology“ zu schicken, damit sie sich mit anderen Auszubildenden messen können.

    „Wettbewerb macht Spaß.“ So lautet seine Erfahrung. Auch weil es in den Berufswettkämpfen darum geht, alles richtig, statt alles so schnell wie möglich zu machen. „Es geht um praktische Übungen, die Spaß machen und motivierend sind“, so Heidebrecht. Wobei ein Team in der Regel aus zwei Auszubildenden besteht – ob aus einem Betrieb oder aus einer Stadt. Ihre Aufgaben: Sie sollen die bestmögliche Lösung für ein vorgegebenes Problem finden und umsetzen – die Skills orientieren sich somit an einem konkreten Problem, so wie es im Berufsalltag eben auch ist.

    Was die Worldskills angeht – hier konkurrieren auch unterschiedliche Ausbildungswege. Denn viele Berufe, denen in Deutschland eine duale Berufsausbildung zugrunde liegt, sind in anderen Ländern Ausbildungen an Hochschulen. Nach Heidebrechts Angaben beteiligen sich derzeit elf Länder an den internationalen Wettbewerben. Weil diese Wettbewerbe die jungen Leute motivieren, weil sie gleichbedeutend sind mit „Lernen mit Spaß“, wirbt Heidebrecht nicht nur dafür, dass die Betriebe ihre Auszubildenden bei den Wettbewerben an den Start schicken. Es geht ihm auch darum, dass neue Wettbewerbe initiiert werden für Berufe, für die es derzeit noch keine gibt. Kollege Heidebrecht wünscht sich, mal ein ver.di-Team betreuen zu können.

  • Andreas Ueberschaer, Bildungsportal Sachsen

     Blok – das Online-Berichtsheft 

    Auszubildende müssen Berichtsheft schreiben – hier weisen sie nach, was sie en detail in der Ausbildung lernen. Diese Berichte werden auf Papier verfasst. So war es bisher.

    Doch das alles geht auch online, meint Andreas Ueberschaer vom BPS, dem Bildungsportal Sachsen. Das BPS hat Blok entwickelt, das Online-Berichtsheft.

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Andreas Ueberschaer auf der 5. Konferenz für Ausbildungskräfte

     Das Projekt, das seit sechs Jahren im Einsatz ist, wird inzwischen von 3500 Unternehmen und 800 Berufsschulen eingesetzt. Insgesamt nutzen derzeit Auszubildende in über 290 Berufen das Online-Berichtsheft.

    Unterm Strich stellt das Online-Berichtsheft die Übertragung des klassischen Berichtshefts in die virtuelle Welt dar.

    Und es verbindet alle die Faktoren, die für die Ausbildung gebraucht werden – die Einsatzplanung, die Ausbildungsnachweise, die Rahmenpläne, die Dokumentenablage, die Einschätzungsrunden und die Checklisten. Wochen- oder Tagesberichte sind möglich und vieles mehr.


    „Alle Akteure der dualen Ausbildung werden berücksichtigt“, betont Ueberschaer. Zusätzliche Dokumente können aufgenommen werden, begleitende Selbst- und Fremdeinschätzungen sind möglich und es kann Teil des Prüfungsprozederes sein.

    Und: Das Online-Berichtsheft ist eigentlich immer verfügbar. Ohne dass eine Software heruntergeladen werden muss.

    Informationen, Demosystem und Anmeldung über www.online-ausbildungsnachweis.de

  • Verena Schneider, Bundesinstitut für Berufsbildung

    Vielfalt des Berufsbildes erhalten

    Berufe verändern sich – erst recht im Zeitalter der Digitalisierung. Wie weit ist die Digitalisierung in einzelnen Berufen bereits vorangeschritten, inwieweit haben sich Berufe bereits verändert und passen die Ausbildungsinhalte noch zur Praxis?

    Solchen Fragen ist das Berufescreening des Bundesinstituts für Berufsbildung (BlBB) nachgegangen. Die Studie nahm insgesamt 14 Berufe unter die Lupe, darunter auch die Fachkraft für Abwassertechnik.

    Wie Verena Schneider vom BiBB erläutert, wurden Interviews mit Fachkräften, Ausbildungskräften und Geschäftsführungen geführt, außerdem fand eine online-Befragung statt.

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Verena Schneider auf der 5. Konferenz für Ausbildungskräfte

    Dabei wurde darauf geachtet, dass Vertreterinnen und Vertreter kleiner und großer Betriebe zu Wort kamen und dass innovative sowie eher konservativ agierende Unternehmen berücksichtigt wurden.

    Das Ergebnis: Trotz der heterogenen Ausgangslage bei der Befragung in den Betrieben der Wasserwirtschaft zeigt sich ein Trend zum zunehmenden Einsatz von digitaler Technologie.

    Zugleich verändern sich die täglichen Aufgaben der Fachkräfte: Einfache Tätigkeiten werden komplexer, körperliche Arbeiten werden weniger, dafür nimmt die Kopfarbeit zu, ortsgebundene Aufgaben verschwinden, stattdessen kann mobil gearbeitet werden, aus isolierten, lokalen Aufgaben werden systemische.

    Die Fachleute aus der Praxis gehen davon aus, dass Messtechnik in den kommenden Jahren noch weiter digitalisiert wird.

    Viele bisher manuelle Tätigkeiten wie die Dokumentation werden aller Voraussicht nach künftig softwareunterstützt erledigt werden, so dass manuelle Tätigkeiten weniger werden.

    Insgesamt waren sich die Interviewten sicher: Der Beruf verändert sich. Aber es fallen keine Aufgaben weg. Prozessverständnis, Systemverständnis, Innovationsbereitschaft, Datenverständnis, IT-Anwenderkenntnisse und IT-Sicherheitsbewusstsein – all diese Bereiche werden an Bedeutung gewinnen. Wie wirkt sich das auf die Ausbildung aus?

    Die Befragten wollten, dass das Berufsbild in seiner bisherigen Vielseitigkeit erhalten bleibt. Allerdings sollen die Ausbildungsinhalte – was unter anderem die Maschinen- und Verfahrenstechnik oder die elektrischen Anlagen angeht – angepasst werden. Themen wie z.B. die digitale Vernetzung könnten als optionale Zusatzqualifikationen angeboten werden. 

  • World-Café

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Amine El Aryf auf der 5. Konferenz für Ausbildungskräfte

     

     

     

     

  • Jeanette Klauza, Referatsleiterin Abteilung Bildungspolitik, DGB Bundesvorstand

    Berufspraktika brauchen Qualitätsstandards

    Wenn Schülerinnen und Schüler ein Betriebspraktikum machen, dann nützt dies im Idealfall beiden – den Praktikant*innen auf der einen Seite und den Betrieben auf der anderen. Allerdings stimmen die Rahmenbedingungen nicht immer. Und so wird ein Instrument nicht wirklich zum Wohle aller genutzt.

    Dass der Übergang von der Schule in den Beruf nicht immer reibungslos funktioniert, beweisen die Auflösungen von Ausbildungsverträgen (25 Prozent) und die Studienabbrüche (28 Prozent). Obwohl viele der jungen Leute nach dem Abbruch eine neue Ausbildung oder ein neues Studium beginnen, bleiben eben doch etliche auf der Strecke: 17 Prozent der Erwachsenen zwischen 25 und 65 Jahren haben keinen Berufsabschluss.

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Jeanette Klauza auf der 5. Konferenz für Ausbildungskräfte

    Das Berufspraktikum könnte dazu beitragen, diese Abbruchquoten zu senken. Für die Betriebe könnte es ein gutes Recruiting-Instrument sein: Das Unternehmen kann sich als ein attraktiver Ausbildungsbetrieb präsentieren. Das ist umso wichtiger, da derzeit nahezu flächendeckend Auszubildende schwer zu finden sind.

    Damit das Praktikum vom Betrieb sowie von den Schülerinnen und Schülern als positiv empfunden wird, darf es in den Schulen nicht als lästige Pflicht angesehen. Es muss ernst genommen, entsprechend vorbereitet und begleitet werden. In vielen Schulen suchen sich die jungen Leute ihre Praktikumsstellen selbst. Nicht alle wählen aus Überzeugung, oft spielt auch eine Rolle, dass der Platz in der Nähe der Schule oder der Wohnung ist.

    Bisher gibt es kein bundesweites Gesamtbild, wie Praktika gestaltet sind – zu unterschiedlich sind Regelungen zu Dauer und Bezeichnung der Praxiszeiten, zu unterschiedlich auch die Vorgaben für die Berufsorientierung in der Schule. Umfragen zufolge beurteilt jeder zweite Praktikant sein Berufspraktikum als „schlecht“. 20 Prozent kritisieren die fehlende Einbindung. Damit bleibt für Jeanette Klauza vom DGB das Praktikum hinter seinen Möglichkeiten zurück.

    Was gebraucht wird, um die Berufspraktika zu verbessern, liegt für den DGB auf der Hand – nämlich verbindliche Qualitätsstandards. „Solche Standards könnten dabei helfen, dass sich die Schülerinnen und Schüler besser mit ihrem Praktikum auseinandersetzen – bevor sie es beginnen und danach. Und in den Betrieben würden Qualitätsstandards dafür sorgen, dass die Praktikanten eben nicht nur „da“ sind, sondern tatsächlich einen Einblick in die Abläufe des Betriebes bekommen.

     

     

  • Wilfried Pater, ehemaliger Ausbildungsleiter der Telekom

    Arbeite wo du willst, wann du willst, mit wem du willst

    Ob Industrie, Banken oder öffentlicher Dienst – die Digitalisierung wird zu einem deutlichen Wandel der Arbeitswelt führen. Davon ist Wilfried Pater, ehemaliger Ausbildungsleiter der Telekom, überzeugt.

    Seiner Ansicht nach zeichnen sich heute schon tiefgreifende Veränderungen ab – und zwar in der gesamten Arbeitswelt. Beginnend bei der Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung bis hin zu einer neuen Arbeitskultur.

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Wilfried Pater auf der 5. Konferenz für Ausbildungskräfte

    Pater listet auf: Es wird künftig unter anderem hyperflexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte geben; Präsenzkultur wird der Vergangenheit angehören; es werden neue Jobprofile entstehen mit völlig anderen Kompetenztiefen. Flache Hierarchien werden Standard sein ebenso wie mehr Selbstbestimmung.

    Das klassische Büro wird für Pater zu einem Relikt der Industrialisierung werden – zu einer Zeit gehören, in der Aktenschränke die Arbeitswelt beherrschten. Statt an einem festen Ort zu festen Zeiten und in festen Strukturen zu arbeiten, wird es künftig heißen: Arbeite, wo du willst, wann du willst und mit wem du willst.

    Nicht mehr die Menschen kommen zur Arbeit, sondern die Arbeit kommt zu den Menschen. Vertrauensarbeitszeit, Gleitzeit, mobile Arbeit, Werkverträge, Co-Working, Cloud Working – das alles wird künftig gang und gäbe sein.

    Und die Ausbildung? Selbstverständlich verändert die Digitalisierung auch die Aus- und die Weiterbildung. Virtueller Unterricht wird zum Alltag gehören – und damit lernt jeder wann, wo und wie lange er will.

    Voraussetzung, dass Ausbildung auch dann erfolgreich ist, ist die Fähigkeit zur Selbstorganisation und eine ständige Lernbereitschaft. Die Kernkompetenzen,die künftig gefragt sind, lauten: Kreativität, Flexibilität und Geschwindigkeit.  

    Dass IT-Kompetenzen gefragt sind und künftig noch mehr gefragt sein werden,versteht sich von selbst. Für Pater werden diese IT-Kompetenzen der Türoffner sein, um am Arbeitsleben teilzunehmen.

    IT-System-Elektroniker, Fachinformatiker*innen, IT-Systemkaufleute oder IT-Datenkaufleute und Informatik-Kaufleute – das sind Berufe, die bereits Gestalt annehmen. Der große Bereich Daten- oder System-Sicherheit wird zudem ein Schwerpunkt werden, aus dem weitere neue Berufe entstehen. 

  • Frank Bsirske, Vorsitzender der ver.di

    Strukturwandel macht breite Qualifizierung nötig

    Die aktive Gestaltung der Digitalisierung ist für Frank Bsirske eine zentrale Aufgabe der Gewerkschaft. „Nicht die Digitalisierung ist das Problem, sondern das, was wir daraus machen“, hob Bsirske, der Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der ver.di-Ausbilder*innenkonferenz im April in Berlin hervor. Seiner Ansicht nach sind Tarifverträge nötig, die der Digitalisierung einen Rahmen geben.

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Bsirske: Gestaltung der Digitalisierung ist eine zentrale Zukunftsaufgabe

    In diesem Zusammenhang nannte er die Notwendigkeit von neuen Arbeitszeitregelungen für den Fall, dass Digitalisierung zu massivem Arbeitsplatzabbau führt, sowie den Anspruch auf Weiterqualifizierung und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

    Er erinnerte die Ausbilder*innen daran, dass solche Tarifverträge nur möglich sind, wenn die Menschen die möglichen Folgen der Digitalisierung zu „ihrer Sache machen“. Nach seiner Darstellung bekunden in Umfragen 75 bis 80 Prozent der Befragten, dass Gewerkschaften notwendig sind – vier- bis fünfmal mehr, als sich gewerkschaftlich organisieren.

    Für Bsirske steckt hinter dieser Paradoxie die Haltung: „Dafür sind die ja da“. Sich selbst fühlten die Betreffenden nicht zuständig. Und er machte klar: Mit einer solchen Haltung sind keine guten Tarifverträge zu erzielen. „Da kann nur Murks rauskommen“, sagte er.

    Er appellierte an die Ausbilder*innen, sich aktiv bei den Auszubildenden für die Gewerkschaft stark zu machen. Denn gerade heute, in der Zeit der Digitalisierung und Veränderung, brauche es Institutionen, die sich für die Interessen der Beschäftigten einsetzten – also starke Gewerkschaften. Denn gemeinsam können wir mehr erreichen, als jede und jeder für sich allein.

    5. Konferenz für Ausbildungskräfte in der  Ver- und  Entsorgung ver.di FB 2 Frank Bsirske auf der 5. Konferenz für Ausbildungskräfte

    Mit Blick auf die Digitalisierung verwies Bsirske auf Prognosen: Einige würfen einen pessimistischen Blick in die Zukunft, viele dagegen seien optimistisch. Sie gingen davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren in den Bereichen Handel, Logistik und öffentliche Verwaltung zwar etwa 1,5 Millionen Arbeitsplätze verschwinden.

    Gleichzeitig entstehen aber fast genauso viele Arbeitsplätze in den Bereichen Pflege, Medien und Erziehung. Er räumte ein, dass sechs bis zehn Jahre ein kurzer Zeitraum für einen extrem beschleunigten Strukturwandel sind. Deshalb sei es höchste Zeit, den Rahmen festzulegen, in dem dieser Strukturwandel gemanagt werden kann. 

    Qualifizierung der Beschäftigten steht für Bsirske ganz oben auf der Agenda der Gewerkschaften. Nach dem Prinzip der Altersteilzeit müsse eine Bildungsteilzeit eingeführt und es müsse über Lohnfortzahlung bei Qualifizierung nachgedacht werden.

    Für kleine Unternehmen könnten Weiterbildungsfonds nach dem Vorbild anderer Länder eingeführt werden. Aus diesem zentralen Fonds könnte der Lohnausfall während einer Weiterbildungsmaßnahme finanziert werden. Allerdings sähen Beschäftigte ihre eigene Weiterqualifizierung derzeit noch sehr gelassen – vielleicht zu gelassen.

    Buchtipp: In „Germinal“ beschreibt Émile Zola die unmenschlichen Verhältnisse in französischen Bergwerken des 19. Jahrhunderts.

Rückblick auf weitere Konferenzen: zur Übersichtsseite